Verwaltung
Anstößige Laternen
Stadt lässt Beleuchtung „Am Bildstock“ in Feyen erneuern – LKW bleiben stecken – Anwohner nicht informiert
Von unserem Redaktionsmitglied
WOLFGANG LENDERS
TRIER-FEYEN. Schildbürgerstreich
in Feyen: Ohne Anwohner
oder Ortsbeirat zu
fragen, hat die Stadt in der
Straße „Am Bildstock“ die
Straßenlaternen ersetzt. Nun
hagelt es Proteste, weil die
Laternenpfähle den Weg für
Müllwagen und Rettungsfahrzeuge
versperren. Außerdem
sollen die Bürger für die
Lampen zahlen: im Schnitt
rund 700 Euro pro Haus.
Sophie Esper wohnt seit Jahrzehnten
in der Straße „Am
Bildstock“ – und eigentlich weiß
sie recht genau, was in der
Nachbarschaft vor sich geht. Als
aber im November vergangenen
Jahres die Stadtwerke Trier anrückten,
um neue Straßenlaternen
aufzustellen, wusste weder
sie noch einer der anderen
Anwohner Bescheid darüber,
dass die alten Lampen ersetzt
werden sollten. Es wusste auch
niemand, warum das nötig war
– und dass die Anlieger den
Großteil der Kosten dafür tragen
sollen. Erst drei Monate später,
am 21. Februar, schrieb die Stadt
die Bürger an und informierte
sie über das, was längst geschehen
war.
Die Anwohner hatten allerdings
auch ohne das Schreiben schon
ihre Erfahrungen mit den neuen
Laternen in der engen Straße
gemacht. „Die Müllabfuhr
kommt nicht mehr durch“, sagt
Sophie Esper. „Dann klingeln
die uns aus dem Bett.“
Dabei war „Am Bildstock“ noch
nie besonders viel Platz. Ein
großer LKW konnte sich aber
zwischen den am Straßenrand
geparkten Autos und den Zäunen
auf der gegenüberliegenden Seite
durchquetschen, weil der Außenspiegel
in die Vorgärten ragen
konnte. Störende Laternenpfähle
gab es nicht; die Lampen waren
über der Straße an Drahtseilen
zwischen den Häusern aufgehängt.
Nicht verstehen können die Hauseigentümer,
warum die Laternen
überhaupt ausgetauscht wurden.
Die alte Beleuchtung sei bis zum
Schluss gut in Schuss gewesen, sagt
Sophie Esper. „Das waren Lampen,
die gehen nicht kaputt.“ Am
meisten verärgert sind die Bürger
aber über die Informationspolitik
der Stadt. „Warum hat man uns
nicht vorher gefragt“, sagt etwa
Josef Lenz, Anwohner und regelmäßiger
Autor in der Zeitung der
Siedlergemeinschaft.
Bei einer Ortsbeiratssitzung mit
knapp 50 Besuchern, die durch
zahlreiche Zwischenrufe teilweise
turbulenten Charakter annahm,
warb Baudezernent Peter Dietze
bei den verärgerten Bürgern um
Verständnis für die Maßnahme. Es
werde „mit Recht kritisiert, dass
keine frühzeitige Information der
Anlieger erfolgt ist“, sagte er. Zu
dieser Meinung sei auch der Bauausschuss
gekommen, nachdem er
das Thema beraten habe. Rechtens
sei das Vorgehen aber gewesen, da
bei Beträgen unter 25 000 Euro
kein Beschluss eines Gremiums
erforderlich sei. Auch technisch sei
die Anschaffung sinnvoll: die neue
Beleuchtung brauche weniger
Strom und sei leichter zu warten.
Kosten sollen die vier Straßenlaternen
18 600 Euro. Die werden zu 75
Prozent umgelegt. Das macht pro
Anlieger etwa 700 Euro. Sophie
Esper überlegt, ob sie Widerspruch
einlegen soll – und fragt weiter
nach dem Sinn des Umbaus:
„Früher war es heller als jetzt.“
Kommentar
Nicht bürgernah
von Wolfgang Lenders
Die Verärgerung
der Anwohner
der
Straße „Am
Bildstock“
ist nachvollziehbar.
Da
betonen Politiker
immer
wieder,
wie wichtig
ihnen die Anliegen der Bevölkerung
angeblich sind, da werden
Bürgergutachten und
Stadtteilrahmenpläne erstellt –
im Kleinen aber versagt die angeblich
bürgernahe Verwaltung.
Da wird vom weit entfernten
Schreibtisch aus geplant,
und niemand kommt
auf die Idee, die Betroffenen,
die dazu noch einen Großteil
der Kosten tragen müssen, um
Rat zu fragen.
Egal, ob die Beleuchtung in
der Straße ausgetauscht werden
musste oder nicht: Das
hätten alle Beteiligten in Ruhe
vor dem Bauauftrag diskutieren
können. Das Gleiche gilt
für den Standort der Laternen:
Eine Ortsbegehung mit den
Anwohnern hätte das Problem
vermutlich gelöst.
Doch die Laternen stehen, und
formal scheint alles korrekt gelaufen
zu sein. Die Anlieger
werden wohl zahlen müssen –
und sich weiter ärgern. Aber
veilleicht lernt die Stadt ja
hinzu und geht bei ähnlichen
Entscheidungen künftig sensibler
vor. In Feyen hängen
noch viele alte Laternen.
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