Startseite     Texte     Fotos     Radio     Projekte     Über mich     Kontakt

  Wolfgang Lenders, Freier Journalist in Leipzig

Trierischer Volksfreund, 17. März 2006
 

Verwaltung

Anstößige Laternen

Stadt lässt Beleuchtung „Am Bildstock“ in Feyen erneuern – LKW bleiben stecken – Anwohner nicht informiert

Von unserem Redaktionsmitglied
WOLFGANG LENDERS

TRIER-FEYEN. Schildbürgerstreich in Feyen: Ohne Anwohner oder Ortsbeirat zu fragen, hat die Stadt in der Straße „Am Bildstock“ die Straßenlaternen ersetzt. Nun hagelt es Proteste, weil die Laternenpfähle den Weg für Müllwagen und Rettungsfahrzeuge versperren. Außerdem sollen die Bürger für die Lampen zahlen: im Schnitt rund 700 Euro pro Haus.

Sophie Esper wohnt seit Jahrzehnten in der Straße „Am Bildstock“ – und eigentlich weiß sie recht genau, was in der Nachbarschaft vor sich geht. Als aber im November vergangenen Jahres die Stadtwerke Trier anrückten, um neue Straßenlaternen aufzustellen, wusste weder sie noch einer der anderen Anwohner Bescheid darüber, dass die alten Lampen ersetzt werden sollten. Es wusste auch niemand, warum das nötig war – und dass die Anlieger den Großteil der Kosten dafür tragen sollen. Erst drei Monate später, am 21. Februar, schrieb die Stadt die Bürger an und informierte sie über das, was längst geschehen war.

Die Anwohner hatten allerdings auch ohne das Schreiben schon ihre Erfahrungen mit den neuen Laternen in der engen Straße gemacht. „Die Müllabfuhr kommt nicht mehr durch“, sagt Sophie Esper. „Dann klingeln die uns aus dem Bett.“

Dabei war „Am Bildstock“ noch nie besonders viel Platz. Ein großer LKW konnte sich aber zwischen den am Straßenrand geparkten Autos und den Zäunen auf der gegenüberliegenden Seite durchquetschen, weil der Außenspiegel in die Vorgärten ragen konnte. Störende Laternenpfähle gab es nicht; die Lampen waren über der Straße an Drahtseilen zwischen den Häusern aufgehängt. Nicht verstehen können die Hauseigentümer, warum die Laternen überhaupt ausgetauscht wurden. Die alte Beleuchtung sei bis zum Schluss gut in Schuss gewesen, sagt Sophie Esper. „Das waren Lampen, die gehen nicht kaputt.“ Am meisten verärgert sind die Bürger aber über die Informationspolitik der Stadt. „Warum hat man uns nicht vorher gefragt“, sagt etwa Josef Lenz, Anwohner und regelmäßiger Autor in der Zeitung der Siedlergemeinschaft.

Bei einer Ortsbeiratssitzung mit knapp 50 Besuchern, die durch zahlreiche Zwischenrufe teilweise turbulenten Charakter annahm, warb Baudezernent Peter Dietze bei den verärgerten Bürgern um Verständnis für die Maßnahme. Es werde „mit Recht kritisiert, dass keine frühzeitige Information der Anlieger erfolgt ist“, sagte er. Zu dieser Meinung sei auch der Bauausschuss gekommen, nachdem er das Thema beraten habe. Rechtens sei das Vorgehen aber gewesen, da bei Beträgen unter 25 000 Euro kein Beschluss eines Gremiums erforderlich sei. Auch technisch sei die Anschaffung sinnvoll: die neue Beleuchtung brauche weniger Strom und sei leichter zu warten.

Kosten sollen die vier Straßenlaternen 18 600 Euro. Die werden zu 75 Prozent umgelegt. Das macht pro Anlieger etwa 700 Euro. Sophie Esper überlegt, ob sie Widerspruch einlegen soll – und fragt weiter nach dem Sinn des Umbaus: „Früher war es heller als jetzt.“

Kommentar

Nicht bürgernah

von Wolfgang Lenders

Die Verärgerung der Anwohner der Straße „Am Bildstock“ ist nachvollziehbar. Da betonen Politiker immer wieder, wie wichtig ihnen die Anliegen der Bevölkerung angeblich sind, da werden Bürgergutachten und Stadtteilrahmenpläne erstellt – im Kleinen aber versagt die angeblich bürgernahe Verwaltung.

Da wird vom weit entfernten Schreibtisch aus geplant, und niemand kommt auf die Idee, die Betroffenen, die dazu noch einen Großteil der Kosten tragen müssen, um Rat zu fragen.

Egal, ob die Beleuchtung in der Straße ausgetauscht werden musste oder nicht: Das hätten alle Beteiligten in Ruhe vor dem Bauauftrag diskutieren können. Das Gleiche gilt für den Standort der Laternen: Eine Ortsbegehung mit den Anwohnern hätte das Problem vermutlich gelöst.

Doch die Laternen stehen, und formal scheint alles korrekt gelaufen zu sein. Die Anlieger werden wohl zahlen müssen – und sich weiter ärgern. Aber veilleicht lernt die Stadt ja hinzu und geht bei ähnlichen Entscheidungen künftig sensibler vor. In Feyen hängen noch viele alte Laternen.

 

 

Sie sind auf den Webseiten von:  Wolfgang Lenders, Mathildenstraße 8, 04277 Leipzig, Telefon 0341/2418776, Mobil 0178/1372987, wolfgang@sehbeben.de